Bünde abrichten

Im Laufe der Jahre nutzen sich die Bünde bzw. der Bunddraht ein wenig ab, leider aber nicht gleichmäßig, sondern in den häufig gegriffenen Lagen mehr als anderswo. Als Folge sind die Bünde nicht mehr gleich hoch und man muss mit der Zeit die Saitenlage immer höher stellen, damit es nicht schnarrt.

Irgendwann kommt der Punkt, wo das nicht mehr akzeptabel ist, also muss Abhilfe her: die Bünde müssen abgerichtet werden, sprich alle Bünde müssen wieder auf die gleiche Höhe gebracht werden.

Das gleiche gilt natürlich auch für Hälse, die nicht viele Jahre alt sondern nagelneu sind, z.B. selbstgebaute. Auch dann müssen die Bünde initial abgerichtet werden, um ein einheitliches Niveau zu bekommen.

Vorbereitungen

Bild 1: Abrichtfeile und abgeklebter Hals
Bild 1: Abrichtfeile und abgeklebter Hals
Bild 2: Abkleben bei geleimtem Hals
Bild 2: Abkleben bei geleimtem Hals

Bevor man loslegt, sollten einige Vorbereitungen getroffen werden:

  • Hals abschrauben (wenn möglich, geleimte Hälse bleiben natürlich dran)
  • Bünde abkleben um das Holz zu schonen (vor allem bei hellen Griffbrettern) [Bild 1], bei geleimten Hälsen die Pickups entweder ausbauen oder abkleben [Bild 2], da sich sonst der feine Metallstaub an den Pickupmagneten festsetzt.
  • Halskrümmung einstellen: möglichst so, dass alle Bünde auf einer Linie sind, das kann man mit einem Stahllineal oder einem Aluprofil kontrollieren. Im Zweifelsfall lieber etwas konvex einstellen (also in der Mitte etwas höher als an den Rändern)
  • Werkzeug bereitlegen bzw. besorgen:
    • Abrichtfeile, gibt's z.B. bei Rockinger (Fretmaster), kann man aber auch selber machen. Ich habe einfach ein Aluprofil mit doppelseitigem Klebeband und Bandschleifpapier (120er Körnung) beklebt [Bild 1]. Wichtig ist, dass das Schleifpapier für Metall geeignet ist.
    • Bundfeile (konkav abgerundet), ich habe meine von Rockinger - hier habe ich nicht gespart!
    • Stahlwolle, Stärke 000, gibt's im Baumarkt.
    • Sattelsägen oder -feilen (optional), ich habe meine von ...ratet mal Smiley

Abrichten

Es ist sinnvoll, wenn man vorher alle Bundstäbchen mit Edding oder einem Textmarker markiert. Dann kann man ganz gut sehen, wann alle Bünde von der Feile erfasst wurden. Mit dem Aluprofil oder einem Stahllineal kann geprüft werden, ob alle Bünde auf einer Höhe sind.

Zunächst habe ich mit der selbstgebauten Feile nur in Richtung vom Sattel weg gezogen (wie es bei Rockinger im Workshop erklärt wird), habe dann aber gemerkt, dass es auch nicht schlimm ist, wenn man hin und her zieht [Bild 3]. Der Unterschied ist wahrscheinlich, dass meine Feile genau so lang ist wie der Hals, während der Fretmaster von Rockinger viel kürzer ist. Ich habe nur wenige Zentimeter hin und her geschliffen, so dass alle Bünde gleichmäßig bearbeitet wurden, während man mit einer kürzeren Feile über die ganze Halslänge abzieht. In [Bild 5] sieht man, wie sinnvoll es ist, helle Griffbretter abzukleben, denn es entsteht jede Menge Metallstaub, der sich im Griffbrett festsetzen kann.

Da 120er Papier ganz schöne Riefen hinterlässt, habe ich anschließend noch mit feinerem Papier nachgeschliffen, zunächst mit 320er auf einem Schleifblock und später noch mit 400er Körnung [Bild 4]. Damit wird die Oberfläche wieder glatt und es lässt sich später besser polieren.

Bild 3: Abrichten mit der Selbstbaufeile
Bild 3: Abrichten mit der Selbstbaufeile
Bild 4: Nachschleifen mit feinerem Papier
Bild 4: Nachschleifen mit feinerem Papier
Bild 5: Feiner Metallstaub
Bild 5: Feiner Metallstaub

Bünde abrunden

Jetzt haben wir eine schöne platte Oberfläche auf dem Bunddraht. Das sieht doof aus und ist auch klanglich nicht optimal, da alle Töne jetzt ein klein wenig zu hoch erklingen. Also müssen die Bundstäbchen abgerundet werden, um eine punktförmige Auflage für die Saiten zu bekommen.

Dazu verwendet man eine Spezialfeile, die einen Innenradius hat [Bild 7, 8]. Nicht ganz billig, aber ich kenne keine Alternative, wenn man es vernünftig machen will. Mit einem Edding habe ich alle Flächen markiert [Bild 6]. Dann wird jeder Bund so lange rund geschliffen [Bild 7], bis nur noch eine dünner Strich in der Mitte übrig bleibt [Bild 8].

Anschließend werden die Bünde noch mit Stahlwolle poliert, damit sie wieder schön glatt sind [Bild 9]. Wenn man will, kann man auch noch maschinell polieren, aber das war mir zu viel Aufwand. Sehr nützlich ist eine Schablone [Bild 10], vor allem wenn das Griffbrett nicht abklebt ist. Das Holz wird dann beim Bearbeiten vor der Stahlwolle besser geschont.

Bild 6: Markieren der abgetragenen Flächen
Bild 6: Markieren der abgetragenen Flächen
Bild 7: Verrunden mit der Bundfeile
Bild 7: Verrunden mit der Bundfeile
Bild 8: Kontrolle der Markierungen
Bild 8: Kontrolle der Markierungen
Bild 9: Polieren mit Stahlwolle
Bild 9: Polieren mit Stahlwolle
Bild 10: Polieren mit Schablone
Bild 10: Polieren mit Schablone

Sattel nachbearbeiten

Eigentlich sind wir damit fertig, da aber die Bünde jetzt etwas niedriger sind als vorher, sollten auch die Sattelkerben überprüft und ggf. nachbearbeitet werden. Dazu habe ich mir einen Bleistift in der Längsachse abgefeilt [Bild 11] und dann damit die Höhe der Bünde an den Sattel angezeichnet [Bild 12]. Bei mir war noch alles ok, aber wenn nötig, sollten dann die Kerben mit einer Sattelfeile oder -säge bis zur Bleistiftlinie ausgearbeitet werden [Bild 13].

Bild 11: halbierter Bleistift
Bild 11: halbierter Bleistift
Bild 12: Anzeichnen der Bundhöhe
Bild 12: Anzeichnen der Bundhöhe
Bild 13: Einsägen der Sattelkerben
Bild 13: Einsägen der Sattelkerben

Fazit

Wie auch bei Rockinger erwähnt, sollte man das Abrichten der Bünde beim ersten Mal nicht unbedingt an seiner Lieblingsgitarre ausprobieren, aber der Warnhinweis, dass man notfalls den Verlust des ganzen Halses verschmerzen können sollte, ist aus meiner Sicht übertrieben. Nach anfänglichem Zögern hatte ich hinterher eher den Eindruck, dass das Abrichten der Bünde kein Hexenwerk ist, denn das eigentliche Abschleifen ging schneller als ich gedacht hatte. In ca. 2-3 Stunden war ich mit allem fertig (ohne Vorbereitungen).

Der Hals ist nun wieder schön gleichmäßig und ich kann die Saitenlage deutlich niedriger einstellen als vorher. Das Nachschleifen mit feinerem Schleifpapier kann ich unbedingt empfehlen um Riefen in Längsrichtung des Halses zu vermeiden. Beim ersten Versuch habe ich das nicht gemacht und mit Saiten drauf merkte ich doch, dass es beim Ziehen der Saiten noch etwas rau ist. Das Spielgefühl ist besser, je glatter die Bundstäbchen sind.

Weitere Anleitungen finden sich hier:

Keet on rocking'!