VW15 Combo Verstärker
Eigentlich lautet die richtige Bezeichnung Madamp M15Mk1, denn hier handelt es sich um einen Bausatz-Verstärker. Mehr dazu auf www.madamp.de. Ich habe ihn VW15 getauft, weil ich die VW Schilder meines alten Passats dran gebaut habe und weil er 15 Watt hat. (Man könnte auch denken, VW steht für "Vünfzehn Watt"...)
Ich wollte diesen Verstärker eigentlich komplett selber bauen, habe aber 1. noch zu viel Respekt davor gehabt, in einem Verstärker rum zu löten (gefährlich!) und 2. wenig Zeit, da der Nachwuchs ins Haus stand und ich aber nicht ewig warten wollte.
Also habe ich mir einen fertig zusammengebauten gekauft und "nur noch" das Gehäuse selber gemacht. Diese Arbeitsschritte habe ich in den folgenden Abschnitten dokumentiert.
Dies ist die Ansicht des Verstärker-Chassis, wie ich es gebraucht gekauft habe (vielen Dank an Ole, das ist wirklich saubere Arbeit!)
Der Gehäuserahmen
Irgendwie fängt's ja immer mit ein paar Holzstücken an. So auch hier. Das erste Bild zeigt die unscheinbaren Bretter in der Rohform. Ich habe Multiplex Birke benutzt, eigentlich wollte ich alles in 12mm Stärke haben, da das aber grad nicht vorrätig war, habe ich 19mm für den Außenrahmen genommen und 9mm für die Verblendungen vorne und hinten. Die Vierkantleisten haben 17x17mm.
Um die Innenkanten richtig zu platzieren, habe ich eines der anderen Bretter bündig am Rand angehalten, dann verleimt und schließlich noch mal mit je zwei Schrauben fixiert (sicher hält der Leim auch so, aber ich bin da Pessimist).
Auf diese Weise habe ich alle Seiten des Gehäuse-Außenrahmens verbunden und mit Klemmen zusammengepresst, damit der Leim eine feste Verbindung eingeht. Am Ende bin ich noch kurz mit Schleifpapier drüber, um kleine Unebenheiten an den Kanten auszugleichen.
Im nächsten Schritt habe ich mir dann die oberen Aussparungen vorgenommen, also wo später die Regler hinkommen und noch ein Lüftungsschlitz.
Dazu habe ich erstmal mit einer Rundsäge (Bohrmaschinenaufsatz) die Rundungen ausgesägt und anschließend mit der Stichsäge die Verbindungen der Löcher weggeschnitten. Jetzt sieht es ungefähr aus, wie ein Schubladen Element von IKEA...
Mit einer Oberfräse habe ich dann alle Kanten des Gehäuses abgerundet und dann weitere Kanthölzer im Inneren angebracht, wo die Vorder- und Rückverkleidungen drangeschraubt werden.
So sieht also jetzt der fertige Außenrahmen des Verstärkergehäuses aus. Da habe ich dann alle Löcher vorgebohrt, wo später Griffe, Füße, Metallecken und das Verstärkerchassis angeschraubt werden. Die Griffe werden einfach mit Einschlaghülsen verschraubt. Und ins Verstärkerchassis müssen natürlich auch die Löcher für die Befestigung gebohrt werden. Aufpassen, dass man im Inneren nichts zerstört!!!
Lautsprecher Frontplatte
Eins der wichtigsten Teile ist wohl die Frontplatte, wo der Lautsprecher reinkommt. Da habe ich mit der Stichsäge ein (fast) kreisrundes Loch reingesägt und die Platte auf der vorderen Seite mit schwarzer Farbe besprüht, damit man später nicht einen dunklen Lautsprecher auf hellem Grund durch den Bezug durchscheinen sieht.
Von meiner Gitarrenbox hatte ich noch Bezugsstoff für Lautsprecher übrig, den habe ich gleich benutzt. Außerdem auch den Kunststoff Knickwinkel, der als Keder-Ersatz herhalten musste (die weißen Linien). Diesen habe ich einfach zusammengefaltet und mit dem Tacker an die Ränder geheftet.
Gehäuse Bezug
Ich habe mich entschlossen, kein Tolex oder Kunstleder für den Gehäusebezug zu verwenden, sondern ein Leopardenfell-Imitat. Dies habe ich einfach mit Holzleim aufgeklebt und an den Rändern der vorderen Verblendung ebenfalls mit dem Pseudo-Keder versehen.
Den Lüftungsschlitz an der Oberseite habe ich von innen mit einem Metallgitter verblendet, damit mir nichts in den Verstärker fallen kann. Diese Gitter gibt es für wenig Geld im Baumarkt.
Nach Ersteigerung eines Celestion G12H (30W) von 1976 habe ich dann alles eingebaut, was rein gehört. Der erste Testlauf hat mich umgehauen. Dieses Gehäuse klingt fast so fett, wie eine 4x12er Box. Der G12H hat genügend Bassanteile um das volle Klangspektrum eines Gitarrenverstärkers auszuschöpfen. Da bleiben keine Wünsche offen.
An der hinteren Verblendung habe ich ein gewinkeltes Riffelblech angebracht, an dem ich mehrere Buchsen angebracht habe. Das Verstärkerchassis hat zwei Ausgänge, einen für 16 Ohm und einen für 8 Ohm. Den 16 Ohm Ausgang habe ich einfach verlängert und auf den 8 Ohm kann ich jetzt entweder eine 8 Ohm Box legen, oder zwei 16 Ohm Boxen parallel verwenden. Damit kann ich z.B. den eingebauten Combolautsprecher (16 Ohm) mit einer zusätzlichen 4x12 Box betreiben. Das macht schon ordentlich Krach!
An der Vorderseite habe ich noch einen "Volkswagen"-Schriftzug und ein VW-Logo angebracht - beide aus meinem alten Passat, der mich leider vor einigen Jahren mit über 300.000 km verlassen hat. Eine Beschriftung für die Regler gibt es noch nicht, das werde ich irgendwann nachholen.
Fazit
Abschließend kann ich sagen, dass dies ein höchst ungewöhnlicher Verstärker ist, nicht nur aufgrund seiner individuellen optischen Gestaltung, sondern vor allem klanglich bleibt da kein Wunsch offen. 15 Röhren-Watt sind allemal laut genug um einen mittelgroßen Club zu beschallen.
Kanal 1 des Madamp M15Mk1 ist dem 18 Watt Marshall-Combo (Modell-Nr. 1974) aus den 60ern nachempfunden und erzeugt einen schönen warmen Cleansound, der bis etwa zur Hälfte knackig bleibt. Er kommt mit zwei Reglern aus: Volume und Tone, eine sehr effektive Klangblende.
Ab 12 Uhr Stellung des Lautstärkereglers beginnt er zu zerren und produziert einen singenden Bluessound, der seines Gleichen sucht. Aber das ist schon zu laut für die meisten Bands, würde ich sagen.
Der zweite Kanal ist eine Miniaturversion der ersten Marshall JTM45 Modelle. Hier gibt es einen Gain und einen Volumen Regler und 3-Band Klangregelung (Bässe, Mitten, Höhen). Bei vollem Gain und höherer Lautstärke (ca. ab 11 Uhr) kommt hier durchaus satte Verzerrung heraus.
Egal welchen der beiden Kanäle man bevorzugt, am besten ist natürlich eine Einstellung, die ganz leicht in den Sättigungsbereich kommt, in Kombination mit vorgeschalteten Geräten, wie Booster oder Overdrives. Was man damit machen kann, braucht den Vergleich mit den "Großen" nicht zu scheuen. Und der Clou: dieser Verstärker wiegt insgesamt weniger als ein Marshall Topteil (17kg).
So, jetzt aber genug geschwärmt. Selber ausprobieren!!!
"Keep on rockin'!"

































